Schnellbootsbegleitschiffe

Mit Beginn der Aufstellung von Schnellbootsflottillen war die Zuteilung von Begleitschiffen fest eingeplant. Diese sollten Ersatzteile, Betriebstoffvorräte und Munition für die Boote mit sich führen sowie als Unterkunft für die Besatzungen dienen.

Bereits bei der 1. Schnellbootshalbflottille war ein früheres Minensuchboot, die NORDSEE, als Begleitschiff im Einsatz.
Der 1. Schnellbootflottille wurde dann im März 1936 die TSINGTAU als Begleitschiff zugeteilt, die 2. Schnellbootsflottille erhielt im Januar 1939 die TANGA und die 3. Schnellbootsflottille im Juni 1940 die ADOLF LÜDERITZ. Diese Schiffe begleiteten die Flottillen auch bei ihren Einsätzen bis nach Finnland im Krieg gegen die Sowjetunion.

Nach Rückkehr der Flottillen in den Kanal wurden sie anfangs ebenfalls dorthin verlegt, dann aber aufgrund der zunehmenden Luftbedrohung zurückgezogen und zur Ausbildung in der Ostsee genutzt. Mit Aufstellung der Schulflottille wurden sie dieser unterstellt.

Weitere Begleitschiffe wie CARL PETERS, GUSTAV NACHTIGAL und HERRMANN VON WISSMANN wurden im Laufe des Krieges gebaut und Flottillen beim Einsatz im Nordmeer bzw. in der Ostsee und zur Ausbildung zugeteilt.

Im Mittelmeer wurde für die 3. SFltl. ein ehemals dänischer Dampfer zum Begleitschiff BENGAZI umgebaut, kam aber nie zum Einsatz.

Auch im Schwarzen Meer sollte ein ehemaliges Minenschiff nach Umbau als Begleitschiff für die 1. SFltl. dienen. Die ROMANIA lag dazu einige Zeit in Sewastopol, wurde dann aber bei der Räumung der Festung versenkt.

TSINGTAU:

24.09.1934 in Dienst, ab März 1936 der 1. SFltl. zugeteilt. Im Rahmen des Unternehmen Weserübung (Besetzung Norwegens und Dänemarks) der 2. SFltl. zugeteilt und mit ihr an der Einnahme Kristiansands beteiligt. Danach bei der 2. SFltl. bis einschließlich der Verlegung in die finnischen Schären zum Angriff auf die Sowjetunion (Barbarossa). Anschließend zurück in den Kanal und danach Marsch mit der 6. SFltl. nach Norwegen. Ab April 1942 im Stützpunkt Svolvaer (Lofoten), im Juni Weitermarsch in das Nordmeer zur Ablösung der 8. SFltl. im Semskefjord bei Kirkenes. Von dort mit 8. SFltl. zurück in die Heimat und anschließend Zuteilung zur Schnellbootsschulflottille.

Im Herbst 1944 mit der 2. S-Schulflottille an die Kurland Front. Von dort in der Nacht 8./9.05.1945 noch Angehörige der eingeschlossenen Kurland Armee abgeborgen und nach Flensburg gebracht.
Bei Kriegsende in der Geltinger Bucht.
2400 t, 87 m lang, 13 m breit, 17 kn

TSINGTAU

 

TSINGTAU getarnt in den finnischen Schären


TANGA:

Ursprünglich für China gebaut, dann angekauft und am 21.01.1939 als TANGA in Dienst gestellt und der 2. SFltl. zugeteilt. Dann zur Ausbildung verwandt und während des Angriffs auf die Sowjetunion mit der 6. SFltl. in Helsingör. Danach Einsatz als Kommandoschiff für den Admiral Nordmeer in Kirkenes. Ab Juni 1943 Zuteilung zur Schnellbootschulflottille.
Bei Kriegsende in der Geltinger Bucht.
2600 t, 96 m lang, 13 m breit, 17 kn

TANGA mit Booten der 2. SFltl.

CARL PETERS:

91.06.1940 in Dienst. Im Rahmen des Unternehmen Weserübung (Besetzung Norwegens und Dänemarks) der 1. SFltl. zugeteilt und mit ihr an der Einnahme Bergens beteiligt. Danach bei der 1. SFltl. bis einschließlich der Verlegung in die finnischen Schären zum Angriff auf die Sowjetunion (Barbarossa). Anschließend Einsatz in der Ausbildung, ab Juni 1942 der Schnellbootsschulflottille zugeteilt.
Bei Kriegsende in der Geltinger Bucht. Dort am 10.05.1945 nach Minentreffer gesunken.
3600 t, 114 m lang, 14 m breit, 23 kn

Untergang CARL PETERS in der Geltinger Bucht

ADOLF LÜDERITZ:

11.06.1940 in Dienst und der 3. SFltl. zugeteilt. Nach Einsatz in der Ostsee am 15.11.1941 mit der 8. SFltl. nach Nordnorwegen. Dort im Semskefjord bei Kirkenes festgemacht. Erst mit der 6. SFltl. im August 1942 Rückmarsch in die Heimat. Danach Zuteilung zur Schnellbootsschulflottille. Ab Dezember 1944 mit der 1. S-Schulflottille in Ergersund (Norwegen).
Bei Kriegsende in Egersund.
3600 t, 114 m lang, 14 m breit, 23 kn

ADOLF LÜDERITZ mit Booten der Schulflottille>

GUSTAV NACHTIGAL:

Als LEWANT II (Polen) 1940 im Bau in Antwerpen. Nach Westfeldzug weitergebaut als Begleitschiff und am 13.05.1944 in Dienst. Bei Überführungsfahrt in die Ostsee bei Borkum durch Luftangriff versenkt.
3700 t, 114 m lang, 15 m breit, 17 kn

Untergang der GUSTAV NACHTIGALL nach
brit. Lufttorpedotreffer am 16.06.1944 westlich Borkum

 

HERMANN VON WISSMANN:

Als LEWANT III (Polen) 1940 im Bau in Antwerpen. Nach Westfeldzug weitergebaut als Begleitschiff und am 16.12.1943 in Dienst. Zuteilung zur Ausbildung und ab Juli 1944 mit der 5. SFltl. zum Einsatz von Finnland und nach dessen Neutralität von baltischen Häfen aus.
Nach Verlegung der 5. SFltl. in den Holland Raum Vorbereitung zum Marsch mit 4. SFltl. nach Nordnorwegen. Einsatz entfiel da 4. SFltl. wieder zurück nach Rotterdam verlegte.
Bei Kriegsende in der Geltinger Bucht.
3700 t, 114 m lang, 15 m breit, 17 kn

HERRMANN VON WISSMANN

BUEA:

Ehemaliges dänisches kleines Passagierschiff. Im März 1944 von der Kriegsmarine beschlagnahmt und im Juli 1944 als BUEA in Dienst gestellt. Zuteilung zur Schnellbootslehrdivision.
Bei Kriegsende in Geltinger Bucht.
2500 t, 81 m lang, 12 m breit, 15 kn

BENGAZI:

Ehemaliges dänisches Motorschiff, in Dakar 1940 von Frankreich beschlagnahmt, 1941 von Kriegsmarine übernommen und zum Begleitschiff umgebaut. Nach Fertigstellung in Neapel Ende Mai 1942 nach Augusta und weiter nach Piräus. Dort Kurbelwellenbruch des Hilfsdiesels und, da Reparatur im griechischen Raum nicht möglich, Rückverlegung nach Italien. Kein Einsatz, weiterer Verbleib unklar.
(Nach Gröner am 11.11.1942 vor Sardinien durch U-Bootstorpedo versenkt.)
3000 t, 86 m lang, 13 m breit, 12 kn

ROMANIA:

Ehemaliger rumänischer Passagierdampfer, wurde von der 1. SFltl. als Wohnschiff und Lagerort für Treibstoff und Munition in Sewastopol als Station zwischen Iwan Baba und Konstanza genutzt. Ab Ende 1943 als Minenschiff eingesetzt. Bei der Räumung von Sewastopol durch Luftangriff versenkt.
3200 BRT, 108 m lang, 13 m breit, 18 kn

ROMANIA getarnt in Sewastopol

Quellen:

Behrens, Gerhard: Die Geschichte der 1. Schnellbootflottille 1931 - 1945 in Bildern, Kiel 1986 (unveröffentl.)
Frank, Hans: Die deutschen Schnellboote im Einsatz – Von den Anfängen bis 1945, Hamburg 2006
Gröner, Erich: Die deutschen Kriegsschiffe 1815- 1945, Bd. 3, Koblenz 1985 und Bd. 4, Koblenz 1986
Hümmelchen, Gerhard: Die deutschen Schnellboote im Zweiten Weltkrieg, Hamburg 1996
Kemnade, Friedrich: Die Afrika-Flottille, Stuttgart 1978
Lohmann, Walter und Hildebrand, Hans H.: Die deutsche Kriegsmarine 1939 - 1945, Bd. I, Bad Nauheim 1956

Fotos:

Behrens
Archiv Freundeskreis
Struppe/Stolk