Das Boot in der Kriegsmarine

Bei Kriegsbeginn waren die beiden in Dienst befindlichen Schnellbootsflottillen mit dem Typ S 10 und dem um zwei Meter längeren aber sonst fast gleichen Typ S 14 ausgestattet.

 

Typ S 10

Typ S 14

Boote

S 10 – S 13

S 14 – S 17

Maße

32,3 m Länge
 4,9 m Breite
 1,4 m Tiefe

34,6 m Länge
 5,1 m Breite
 1,4 m Tiefe

Einsatzverdrängung

95 t

115 t

Geschwindigkeit

30 kn Marsch
35 kn max.

35 kn Marsch
37 kn max.

Fahrbereich

600 sm bei 30 kn

600 sm bei 30 kn

Antrieb

3 x MB 502
1320 PS
16 Zylinder
3 Wellen
3 Schrauben
13 t Kraftstoff

3 x MAN
2050 PS
24 Zylinder
3 Wellen
3 Schrauben
16,4 t Kraftst.



Typ S 10
Boot Typ S 10

Die folgenden Boote S 18 – S 25 gehörten ebenfalls zum Typ S 14, besaßen aber wieder den bewährten Daimler Benz Motor, jetzt mit 2000 PS und 20 Zylindern, Höchstgeschwindigkeit 39,5 kn.

Die Besatzung betrug 20 Mann:
1 Kommandant,
1 seemännischer Unteroffizier,
5 seemännische Mannschaften,
1 Leitender Maschinist,
3 technische Unteroffiziere,
6 technische Mannschaften,
2 Funker,
1 Torpedomechaniker und Koch.
Der Kommandostand befand sich bei allen Booten vor dem Brückenhaus.

Blick vom Kommandostand auf die Back
Blick vom Kommandostand auf die Back

Ende Dezember 1939 wurden die ersten Boote vom Typ S 30 (S 30 – S 37) in Dienst gestellt.
Ursprünglich waren diese Boote für China im Bau gewesen, wurden dann aber bei Kriegsbeginn beschlagnahmt und für die Kriegsmarine fertiggestellt.
Sie hatten fast die gleichen Abmessungen wie die Boote des Typs S 10 und waren wie dieser mit den Dieselmotoren Daimler-Benz MB 502 ausgerüstet. Da diese Firma – als einzige Lieferantin für Schnellbootsmotoren – aufgrund von Schwierigkeiten bei der Kurbelwellenfertigung mit dem Bau der 2000 PS Motoren MB 501 nicht nachkam, wurden auch die Boote S 54 – S 61 wieder vom Typ S 30 gebaut.
Im Gegensatz zu den Booten des Typs S 10 / S 14 verfügten sie aber bereits über eine geschlossene Back, in welche die Torpedorohre eingebaut waren, mit einem besseren Seeverhalten. Allerdings befand sich der Kommandostand weiterhin vor dem Brückenhaus.
Es waren dies die Boote die mit der 3. Schnellbootsflottille im Mittelmeer zum Einsatz kamen.

Blick vom Kommandostand auf die Back
Boote vom Typ S 30 im Mittelmeer, noch ohne Backflak


Weitere neue Boote liefen ab Anfang 1941 zu. Aufbauend auf dem Typ S 14 hatten sie die bereits auf dem Typ S 30 erprobte geschlossene Back. Des weiteren war der Stand für die Schiffsführung nicht mehr vor dem Brückenhaus sondern auf dieses aufgesetzt.

Blick vom Kommandostand auf die Back
Boot vom Typ S 38 mit aufgesetzter Brücke


Die Boote dieser Baureihe wurden parallel bei Lürssen und Schlichting in Travemünde gebaut. Dabei lieferte Lürssen die Boote S 26 – S 29, S 38 – S 53 und S 62 – S 100, die Schlichting Werft die Boote S 101 – S 133. Obwohl die Serie bereits mit S 26 begann wurde sie allgemein als Typ 38 bezeichnet.
Technische Daten:
34,9 m Länge, 5,1 m Breite, 1,85 m Tiefgang,
3 x 2000 PS Daimler-Benz MB 501, 20 Zylinder, drei Wellen, drei Schrauben, 39,5 kn max. Geschwindigkeit, 35 kn Marschfahrt,
Fahrbereich 750 sm bei 35 kn, 16,4 t Kraftstoff,
Einsatzverdrängung 108 t.
Bewaffnung:
2 Torpedorohre (plus zwei weitere Torpedos als Nachladung),
1 x 2 cm Flak (MG C 38), 2 x 3 MGs (MG 08)
6 – 8 Wasserbomben oder Schreckbomben,
2 Nebelkannen,
6 Minen bzw. 8 Sperrmittel, dann allerdings keine Wasserbomben und keine Reservetorpedos.
Ausrüstung:
Magnetkompass,
1 Funk HF Sende-/Empfangsgerät 40/70 Watt,
1 Sprechfunkgerät 1 Watt.
Besatzung:
20 Mann.

Blick vom Kommandostand auf die Back
Rudergänger und Funkgast, links das Sprechfunkgerät


Wie schon ihre Vorgänger besaßen auch diese Boote Stauruder zur Erzielung des sogenannten „Lürssen-Effektes“. Dabei wurden die beiden kleineren Seitenruder, die normal über ein Gestänge mit dem Hauptruder gekoppelt waren, aus der Mittschiffslage herausgedreht.
Bei ca. 20 Grad fand dann eine Veränderung des Strömungsverhaltens statt mit dem Effekt, dass die Boote achtern etwas heraus kamen und bei Geradeausfahrt bis zu zwei Knoten schneller wurden.

Blick vom Kommandostand auf die Back
Der Lürssen-Effekt


Auch die Bauweise, bestehend aus einer Leichtmetallkonstruktion mit Doppel-Karweel-Beplankung, war beibehalten worden. Damit war nach langjähriger Entwicklung das Standardboot der deutschen Marine erreicht.

Aufgrund häufiger Luftangriffe mit Personalverlusten wurde nach Versuchen mit eingebauten Panzerplatten auf S 50 und S 63 eine Panzerkalotte von der Firma Lürssen entwickelt und ab dem Frühjahr 1943 eingebaut. Vorher lief bereits die Ausrüstung neuer Boote mit einer Kalottenbrücke, allerdings noch in Leichtbauform.

Blick vom Kommandostand auf die Back
Boot mit Kalottenbrücke

Des weiteren wurde die Karweel-Beplankung verstärkt und mit dem MB 511 Motor die Leistung durch Aufladung auf 2500 PS erhöht, was eine Spitzengeschwindigkeit von bis zu 42 kn bedeutete. Ein nochmals verbesserter Motor MB 518 mit 3000 PS kam nur noch auf den Booten S 170 und S 208 versuchsweise zum Einbau, wobei S 170 damit über 43 kn erreichte.
Bei der Ausrüstung wurde das Echolot ab dem Frühjahr 1942 eingebaut, ein verbesserter Funkpeiler mit umlegbarem Peilrahmen folgte und später trat auch der Kreiselkompass hinzu.

Hinsichtlich der Artilleriebewaffnung wurde sehr schnell deutlich, dass die vorhandene 2 cm Flak weder für eine erfolgreiche Flugabwehr noch im Kampf gegen gegnerische Boote ausreichte. Ab dem Sommer 1941 wurde auf den Booten eine 2 cm Kanone in die Back eingebaut, damit war auch das Gefecht im Vorausbereich führbar. Auch auf den Booten des Typs S 30 im Mittelmeer wurde sie nachträglich eingebaut.

Blick vom Kommandostand auf die Back
Backflak im Einsatz


Gegen die artilleriestarken britischen Motor-Kanonen-Boote (MGBs) erhielten die ersten Boote ab dem Spätsommer 1942 eine 4 cm Kanone. Andere Boote wurden mit einer vollautomatischen 3,7 cm Kanone oder stattdessen mit einem 2 cm Vierling ausgerüstet. Teilweise wurden Schutzschilde bei den Geschützen angebracht.
Mittschiffs hatten fast alle Boote zusätzlich noch ein Zwillings MG auf einem Sockel sowie bis zu drei MGs beiderseits der Brücke. Durch die verstärke Artillerie stieg die Besatzung auf bis zu 28 Mann.

Blick vom Kommandostand auf die Back
Links 4 cm mit Schutzschild, rechts 3,7 cm Kanone

Blick vom Kommandostand auf die Back
Typ S 38 mit Backflak und achterer 4 cm Kanone

Die Torpedobewaffnung blieb über die gesamte Zeit mit zwei fest eingebauten Rohren für je einen Torpedo und Lagerschalen für zwei Reservetorpedos gleich. Bei Minenbeladung entfielen die Reservetorpedos aus Gewichtsgründen.

Blick vom Kommandostand auf die Back
Boot mit Minenbeladung, hier Ankertauminen Typ EMC


Zwei weitere Torpedorohre auf dem Achterschiff mit Ausstoß nach hinten trugen die Boote ab S 701, womit aber die Mitnahme von Minen ausschied.
Ab dem Herbst 1942 war bereits der Einbau des GA-Stellzeuges angelaufen, mit dem der Torpedo zum ersten Mal nicht mehr nur in Vorausrichtung, sondern auch im Winkel abgefeuert werden konnte. Damit entfiel das mühselige Drehen des Bootes auf Schusskurs.
Eingesetzt wurde bis zum Kriegsende der Torpedo G 7a, da der elektrisch angetriebene modernere G 7e aufgrund seiner niedrigen Geschwindigkeit in den rasch wechselnden Gefechtslagen zu langsam war. Gleiches galt für den auf Geräuschquellen reagierenden T 5 (Zaunkönig).

Blick vom Kommandostand auf die Back
Rohrzielapparat mit Einspeisung für Winkelschuss


Das Boot, in dem sich bis auf die zusätzlichen Torpedorohre alle Veränderungen fanden wurde, ohne dass es sich in den Maßen von dem Typ S 38 unterschied, als Typ S 100 bezeichnet. Das erste Boot dieses Typs wurde am 5. Mai 1943 in Dienst gestellt.

Blick vom Kommandostand auf die Back
S-Boot Typ S 100

Bereits Ende Dezember 1941 war das erste Boot einer Kleinserie von acht Einheiten auf der Gusto Werft in Schiedam (Holland) fertiggestellt worden. Ursprünglich für die Niederlande gedacht, wurden sie nach einem älteren Lürssen-Entwurf fertiggestellt, als S 151 – S 158 in Dienst genommen und dann zur Verstärkung als 7. SFltl. ins Mittelmeer verlegt. Sie waren mit einer Länge von 28 m und einer Verdrängung von 66 t wesentlich kleiner als die anderen Boote. Drei MB 500 12 Zylinder Motoren mit je 950 PS gaben den Booten eine Höchstgeschwindigkeit von 32 – 33 kn. Ihre Kampfkraft litt unter der geringen Seegangsfähigkeit sowie häufigen Motorenproblemen.

Blick vom Kommandostand auf die Back
Modell des Typs S 151

Im Ortungsbereich wurde im Mai 1942 vorerst ein Warnempfänger vor feindlicher Ortung (METOX-Empfänger) eingebaut. Weitere und verbesserte Funkmessbeobachtungsgeräte (FuMB) folgten im Herbst 1943, zuerst das NAXOS-Gerät mit unterschiedlichen Antennen (Fliege, Mücke, Cuba Ia), später TUNIS und teilweise noch KORFU.

Blick vom Kommandostand auf die Back
Funkmessebeobachtungsgerät NAXOS

Im Juni 1942 wurde zu Versuchszwecken ein Funkmessgerät (FuMG) Lichtenstein, welches bis dahin als Bordgerät für Nachtjäger entwickelt war, auf S 112 eingebaut. Doch die Reichweite gegen Zerstörer lag gerade bei 2000 Metern wobei das Boot nur im Vorausbereich, 35 Grad nach jeder Seite, orten konnte. Zur Rundumortung war ein Vollkreis notwendig. Eine später eingeführte drehbare Antenne half diesem Mangel ab, vergrößerte jedoch die Ortungsfläche des Bootes derart, dass es jeweils als erstes unter Beschuss geriet.

Blick vom Kommandostand auf die Back
Funkmessortungsgerät Lichtenstein

Anfang 1944 erfolgte die Erprobung eines verbesserten Gerätes „Hohentwiel“ auf S 87. Eine Höherstellung der Antenne auf 8 m im März 1944brachte bessere Ergebnisse, konnte jedoch insgesamt im taktischen Einsatz nicht überzeugen, denn es lieferte dem Führer in See nicht den taktischen Überblick, den er zum Ansatz der Boote brauchte. Neben der geringen Reichweite lag dies vor allem daran, dass bei den deutschen Anlagen die Entfernung auf einem braunschen Rohr angezeigt wurde, während die dazugehörige Peilung am Gerät abzulesen war.
Die für die Schnellboote vorgesehene Version eines Gerätes mit Panorama Sichtgerät (Berlin-S Gerät) wurde nur noch in wenigen Exemplaren fertig. Belegt ist seine Erprobung auf S 302 in der Ostsee im März 1945.

Quellen:
Frank, Hans: Die deutschen Schnellboote im Einsatz, von den Anfängen bis 1945, Hamburg 2006
Fock, Harald: Schnellboote, Bd. 1, Von den Anfängen bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges, Herford 1973; Bd. 2. Entwicklung und Einsatz im 2. Weltkrieg, Herford 1974
Gröner, Erich: Die Deutschen Kriegsschiffe 1815 – 1945, Bd. 2, Koblenz 1999
Hümmelchen, Gerhard: Die Deutschen Schnellboote im Zweiten Weltkrieg, Hamburg 1996

Fotos:
Archiv Freundeskreis
Lürssen