Verband Klose

Nachdem sich die Gegensätze zwischen den früheren Kriegsverbündeten drastisch verschlechtert hatten und, wie Churchill es sagte, ein Eiserner Vorhang an der Grenze des kommunistischen Machtbereiches niedergegangen war, begann der britische Geheimdienst 1948 damit, über die Baltische Küste Erkenntnisse aus der Sowjetunion zu gewinnen. Mit Hilfe der britischen Marine gewann er dazu den Kapitänleutnant a.D. H. H. Klose, der während des Krieges als Chef der 2. Schnellbootschulflottille in diesem Operationsgebiet Erkenntnisse und Erfahrungen gesammelt hatte.

H.H. Klose mit KAdm.a.D. Wagner

 

Für den Einsatz wurde ihm und der von ihm ausgewählten Besatzung das ehemalige Schnellboot S 208 zur Verfügung gestellt. Britische Werften hatten es für diesen speziellen Langstreckeneinsatz modernisiert und hergerichtet. Im April 1949 lief die erste Operation zur Absetzung von Agenten an. Weitere Einsätze folgten im November 1949 und April 1950.

Um eine bessere Tarnung zu gewährleisten wurde im März 1951 der britische Ostseefischereischutz (British Baltic Fishery Protection Service - BBFPS) aufgestellt. Neben das bereits genutzte S 208 trat noch das frühere Schnellboot S 130 unter E.-G. Müller, der vorher bei H. H. Klose als IWO gefahren war, hinzu. Die bessere Tarnung erlaubte jetzt regelmäßige Fahrten, bei denen nicht nur Agenten abgesetzt und wieder aufgenommen wurden sondern auch die Erkundung und Erfassung von sowjetischen Radar- und Fernmeldestellen an der Ostseeküste erfolgte. Dazu waren beide Einheiten mit dafür geeigneten elektronischen Geräten ausgerüstet worden.

Während diese Einsätze liefen war die Lürssen-Werft von dem Innenministerium angewiesen worden, mit dem Bau von drei schnellen Sicherungsbooten für den neu aufgestellten Bundesgrenzschutz See zu beginnen. Doch die Alliierte Hohe Kommission stimmte nach längerem hin- und her dem Bau nicht zu, da sie die neuen Boote für zu schnell und für zu stark bewaffnet hielt.

Daraufhin erwarb die britische Marine die drei im Bau befindlichen Boote und ließ sie für den Klose Verband fertig stellen. 1954 wurden zwei der neuen Boote unter den Namen Silver Gull (Silbermöwe) und Storm Gull (Sturmmöwe) unter dem Kommando von H. H. Klose und E-G. Müller und 1955 das dritte Boot als Wild Swan (Wildschwan) unter Dieter Ehrhardt in Dienst gestellt. Weiterhin erfolgten die Einsätze unter britischer Flagge zur taktischen Aufklärung.

 

S 208 und Silver Gull im Nord-Ostsee-Kanal

 

Inzwischen waren jedoch die Verhandlungen über einen deutschen Verteidigungsbeitrag erfolgreich, der Aufbau der Bundeswehr und damit der Bundesmarine begann. Ende März 1956 wurden die drei Boote von der britischen an die neue deutsche Marine übergeben, um den Kern des am 1. April 1956 aufgestellten Schnellboot-Lehrgeschwaders (später 1. Schnellbootgeschwader) zu bilden. Kommandeur des Geschwaders wurde der ebenfalls übernommene und frisch beförderte KKpt. Klose. Damit kann der Verband Klose als die Grundzelle für den späteren Ausbau der Schnellbootwaffe der Bundesmarine angesehen werden.

Wild Swan vor Bornholm

Quelle: Hess, Sigurd - Die Schnellbootsgruppe Klose und der British Baltic Fishery Protection Service, in Marineforum 3/2001 S 21 und 4/2001 S 29
Fock, Harald - Schnellboote Bd. 3, Herford 1974 S 142 f
Fotos: Ehrhardt, Hess