Der Stützpunkt Flensburg

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde in Flensburg die Fernmeldeschule, damals noch „Funken-Telegraphie-Schule“, der Kaiserlichen Marine und kurz darauf die Torpedoschule aufgebaut. 1910 folgte dann die Einweihung der Marineschule Mürwik. Dazu gab es einen größeren Segelhafen und Pieren für die Boote, die zu Kursen an die Torpedoschule verlegten.
Auch nach dem 1. Weltkrieg wurden die Schulen weiter betrieben. Einheiten der Marine waren hier zwar nicht stationiert, lagen aber des öfteren zur Ausbildung oder feierlichen Anlässen, wie dem Skagerrak-Tag, in Flensburg.

Einheiten der Reichsmarine zum Skagerrak-Tag 1923


Nach dem 2. Weltkrieg nahm die Bundesmarine bereits 1956 den Lehrbetrieb in der Marineschule Mürwik, der Fernmeldeschule und der Unterwasserwaffenschule auf. Auch den Hafen nahm sie in ihre Obhut und baute ihn weiter aus. Im Dezember 1956 verlegte das 1. Minensuchgeschwader in den Stützpunkt und ab 1957 stellte das neue 3. Schnellbootgeschwader hier seine Boote in Dienst. In den folgenden Jahren kamen Versorgungseinheiten hinzu, ebenso das 3. Zerstörergeschwader, das Minenlegegeschwader und ab 1968 auch das Flottendienstgeschwader.

Der Hafen 1962 – an der Pier die Fletcher Zerstörer


... und im Winter 1962/63


Die Belegung wechselte im Laufe der Jahre, die Zerstörer gingen nach Kiel und das Minenlegegeschwader wurde wieder aufgelöst. Das 3. Schnellbootgeschwader rüstete in dieser Zeit auf die neuen Boote der Klasse 148 Tiger mit Flugkörperbewaffnung um.

An der Pier die ersten neuen Boote der Klasse 148 Tiger


Seit 1957 war Flensburg auch Sitz der Schnellbootflottille, die ihr Stabsgebäude an der Mürwiker Straße hatte und dort bis zur Verlegung nach Warnemünde 1994 residierte.

Stabsgebäude der Schnellbootflottille


Nach der Wiedervereinigung und der im Zuge des Einigungsprozesses erfolgten Reduzierung und Umstrukturierung der Bundeswehr und der Marine wurden die schwimmenden Einheiten nach und nach aus Flensburg abgezogen. Das 1. Minensuchgeschwader verlegte nach Olpenitz, das 3. Schnellbootgeschwader stellte 1998 außer Dienst.
Der Stützpunkt selbst wurde Ende 1998 aufgelöst – die Anlage ging an Privatinvestoren, die dort die Wohn- und Freizeitanlage „ Sonvik“ errichteten.

Segelhafen mit Wohnanlage „Sonvik“


Quellen:
Günther Thye: 50 Jahre Marinegeschichte an der Flensburger Förde 1956 – 2006
Unterlagen Schnellbootflottille

Fotos:
Foto-Archiv Marineschule Mürwik
PIZ Marine
Archiv Freundeskreis
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