Der Stützpunkt Olpenitz

Bald nach Gründung der Bundesmarine fiel die Entscheidung, in Ergänzung zu den beiden alten, historisch gewachsenen Marinehäfen Kiel und Flensburg im Ostseebereich einen dritten großen Marinestützpunkt in geographisch günstiger Lage ohne große Anmarschwege zu den Übungs- und Schießgebieten zu bauen. Ausgewählt wurde dafür das Gebiet südlich der Schleimündung bei Olpenitz. Bereits im Januar 1958 kaufte die Oberfinanzdirektion Kiel das dazu benötigte Gelände und entschied: „Der Stützpunkt wird durch Ausbaggerung und Anlandung zwischen Molen aus der bundeseigenen Wasserfläche der Schleimündung geschaffen“.

Bei den Baggerarbeiten gefundener Stein


Der Albatros, ehemalige Gallionsfigur der GORCH FOCK, seit Anfang der 70er Jahre Wahrzeichen des Stützpunktes Olpenitz


Am 02. März 1959 begannen die Arbeiten „im Wasser des Schleinoors“ – wie es auf dem großen Findling am Eingang des Stützpunktes zu lesen war. Vier Millionen Kubikmeter Sand fielen bei den Baggerarbeiten für den Innen - und Vorhafen an. Hiermit wurden die benötigten Landflächen und Dämme auf hochwassersicheres Niveau aufgespült. Mit zwei, den Vorhafen umschließenden, je 800 m langen Außenmolen und drei kleineren Innenmolen, bot die Hafenanlage den hier liegenden Booten und Schiffen selbst bei starken Ostwinden einen guten Schutz und ein ruhiges und sicheres Liegen. Für ein, auch von den durch Windeinflüsse zwischen - 1 m bis + 1,5 m betragenden Wasserstandsschwankungen unabhängiges, ruhiges Liegen wurden als Hauptliegeplätze eine Reihe von Schwimmbrücken errichtet, an denen den Einheiten Strom -, Wasser- und Fernmeldeanschlüsse zur Verfügung gestellt wurden.

Der Hafen war dann in wenigen Jahren so weit fertig, dass am 01. April 1964 das Marinestützpunktkommando Olpenitz (Aufstellungsbefehl Nr. 123 - Marine - vom 03. März 1964) aufgestellt wurde.

Der Großteil der landseitig erforderlichen Unterkünfte, Funktionsgebäude und Anlagen wurde in den Folgejahren bis 1969 fertiggestellt. Doch bereits am 28. November 1967 verlegte das 5. Minensuchgeschwader von Neustadt nach Olpenitz und am 6. Februar 1968 folgte das 5. Schnellbootgeschwader. Zwar war die Lage des Hafens mit seinen kurzen Wegen zu den Übungs- und Schießgebieten hervorragend, doch es fehlte noch viel um sich hier in OLPOSIBIRSK" oder "PORTO SANDO" wohl zu fühlen, wie Paul Senkblei richtigerweise feststellte.

Paul Senkblei: Etwas zu früh gekommen


Am 5. Februar 1971 wurde dann auch das aus Wilhelmshaven kommende 2. Schnellbootgeschwader durch den Befehlshaber der Flotte in Olpenitz begrüßt. Mit den etwas später dazu tretenden Einheiten des 1. Versorgungsgeschwaders war die Belegung komplett. Inzwischen war auch die Infrastruktur weiter ausgebaut. Unterkünfte für die Besatzungen in dem ruhigeren rückwärtigen Bereich, Sporteinrichtungen und schließlich, kurz vor dem nahe gelegenen Kappeln, ein Soldatenheim. Für die allgemeine Betreuung wurden darüber hinaus mit Sauna, Sportanlagen, Kraftraum, Segelkuttern, Fahrradverleih, Bastelwerkstatt, Musikraum und Kfz - Hobbyshops weitere sinnvolle Freizeiteinrichtungen zur Verfügung gestellt. Dazu die Blockhütte "Strandvogtei", eine für Besatzungsfeste besonders geeignete und viel genutzte Betreuungseinrichtung. Ein hauptamtlicher "Freizeitlotse" steuerte mit seinem Personal die Vergabe und Nutzung der allgemeinen Betreuungseinrichtungen. Da der Marinestützpunkt keine direkte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr hatte, wurden stützpunkteigene Werks- und Fürsorgefahrten eingerichtet. Hierbei war der Transport der wehrpflichtigen Soldaten an den Wochenenden zu und von den nächst günstigsten Bahnhöfen Eckernförde und Süderbrarup wohl die wichtigste Betreuungsmaßnahme.

Olpenitz – im Hintergrund die Schlei mit Kappeln


Nach der „Wende“ wurde auch Olpenitz anders belegt. Das 2. Schnellbootgeschwader verlegte im November 1994 nach Warnemünde, dafür kamen das 1. und 3. Minensuchgeschwader, sowie im Oktober 1994 die Flottille der Minenstreitkräfte von Wilhelmshaven nach Olpenitz. Doch im Verlauf der weiteren Reduzierung der Bundeswehr und damit auch der Marine wurde das 5. Schnellbootgeschwader im Dezember 2002 außer Dienst gestellt und die Minenstreitkräfte nach Kiel verlegt. Im Juni 2006 verließen die letzten Boote Olpenitz, das Marinestützpunktkommando selbst Ende 2006 aufgelöst.

Diese Bilder mit Lichterketten geschmückter Boote gab es nun nicht mehr


Der Hafen mit Gelände wurde in den Jahren danach von der „Port Olpenitz GmbH“ aufgekauft mit dem Ziele, dort eine große Feriensiedlung mit Marina zu bauen. Das Projekt steckt allerdings zur Zeit (2012) in einer finanziellen Krise, das Insolvenzverfahren ist eröffnet.

So könnte Olpenitz einmal in Zukunft aussehen


Quellen:
Informationsschrift zum Jubiläum 25 Jahre Marinestützpunkt Olpenitz
BMVg: Die Stationierung der Bundeswehr in Deutschland v. 01.11.2004
www.port-olpenitz.de

Fotos:
Marinestützpunktkommando Olpenitz
PIZ Marine
Frank
Port Olpenitz GmbH