Der Stützpunkt Wilhelmshaven

1853 kaufte Preußen vom Großherzogtum Oldenburg ein 313 Hektar großes Gebiet am Jadebusen, um dort einen Stützpunkt für die preußische Marine zu errichten. 1869 wurde er und mit ihm die erste kleine Wohnsiedlung eingeweiht und nach dem preußischen König Wilhelm I benannt.
Nach der Gründung des Kaiserreiches und dem Aufbau der Kaiserlichen Marine wurde Wilhelmshaven weiter ausgebaut. Dazu wurde der Kanalhafen verbreitert und bekam auf seiner Nordseite einen Ausrüstungshafen. Außerdem wurde eine „Neue Einfahrt“ mit einer größeren Schleuse gebaut. Sie lag weiter südlich und damit günstiger zur Strömung. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Kampfschiffe immer größer, dies erforderte entsprechende Anpassungen bei der Infrastruktur, insbesondere bei den Werften, Hafenanlagen und Schleusen. In den Jahren 1900 –1909 wurde daher eine dritte Einfahrt gebaut und die Hafenanlage nach Süden erweitert. Durch einen neuen Außendeich zwischen der „Neuen Einfahrt“ und Mariensiel wurde ein großer Teil des Wattengebiets südlich der Stadt eingedeicht. Im Zuge dieses Bauabschnitts entstand auch die Kaiser-Wilhelm-Brücke als Verbindungsglied zwischen der Südstadt und dem neuen Außendeich. Die 3. Einfahrt mit einer 250 Meter langen Zwei-Kammer-Schleuse wurde in der Verlängerung des Bauhafenkanals nordöstlich der ältesten Einfahrt angelegt. Mit Inbetriebnahme dieser dritten Einfahrt wurden die Einfahrten neu von West nach Ost durchnummeriert. Damit wurde die zuerst gebaute Einfahrt jetzt als 2. Einfahrt bezeichnet.

Wilhelmshaven 1910


Die bereits 1917 begonnenen Planungen für eine 4. Einfahrt wurden erst von der Kriegsmarine wieder aufgegriffen. 1936 begann der Bau und 1942 war die Ostkammer der Schleusen fertiggestellt. Dieser Zustand blieb bis Kriegsende bestehen.

Im 2. Weltkrieg war Wilhelmshaven erheblich zerstört worden, unter der alliierten Besatzung wurden danach noch bis zum Frühjahr 1950 alle Werft- und Kaianlagen, Docks und Schleusen einschließlich der neuen 4. Einfahrt gesprengt. Nur die 1. Einfahrt blieb von der Zerstörung verschont. Erst als Wilhelmshaven mit der Gründung der Bundeswehr 1956 wieder Marinehafen wurde begann der Neuanfang. Auf dem Gelände der ehemaligen Kriegsmarinewerft entstand das Marienarsenal, parallel dazu begann der Wiederaufbau der gesprengten 4. Einfahrt, die ab 1964 ihren Betrieb aufnehmen konnte.

Bereits 1956 war das 2.Minensuchgeschwader in Wilhelmshaven aufgestellt worden, ihm folgten 1958 das 2. Schnellbootgeschwader sowie das 4. und 6. Minensuchgeschwader. Weitere Einheiten wie das Flottendienstgeschwader, das 2. Zerstörergeschwader und das 2. Geleitgeschwader folgten später.

Wilhelmshaven 1962, im Vordergrund der Liegeplatz des 2. Schnellbootgeschwaders an der Wiesbadenbrücke, im Hintergrund oben die vierte Einfahrt, links das Arsenal


Im Vorhafen der 4. Einfahrt war frühzeitig mit dem Ausbau eines Marinestützpunktes begonnen worden. Im August 1968 wurde er als „Marinestützpunkt Heppenser Groden“ eingeweiht. Da im Zuge mehrfacher Strukturveränderungen der Marine das 2. Schnellbootgeschwader bereits Anfang der 70er in die Ostsee nach Olpenitz verlegt hatte und die Minensuchgeschwader nach und nach außer Dienst stellten, konzentrierten sich in Wilhelmshaven die größeren Einheiten, die ab 2006 in der Einsatzflottille 2 zusammengefasst sind.

Hafen und Stützpunkt 2010


Quellen: Volker Eissing (Hrsg.): Wilhelmshaven 1853–2000; Vom preußischen Landkauf zur Expo am Meer, Wilhelmshaven 2000 Gerhard Koop, Erich Mulitze: Die Marine in Wilhelmshaven – eine Bildchronik zur deutschen Marinegeschichte von 1853 bis heute, Bonn 1997 Fotos: Stadt Wilhelmshaven Wikipedia, creative commons, Alexander Karnstedt